{"id":689,"date":"2025-11-28T18:02:05","date_gmt":"2025-11-28T18:02:05","guid":{"rendered":"https:\/\/susemichel.de\/?page_id=689"},"modified":"2025-11-28T18:02:05","modified_gmt":"2025-11-28T18:02:05","slug":"educate-your-son","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/susemichel.de\/?page_id=689","title":{"rendered":"Educate your son"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\"><strong><br \/>\n<\/strong><em>Von Lea Susemichel<\/em><br \/>\n<em><br \/>\nDon\u2019t protect your daughters, educate your sons.<\/em> Seit ich selbst eine Tochter und einen Sohn habe, ist der sch\u00f6ne Slogan f\u00fcr mich zum Affront geworden.\u00a0 Fr\u00fcher war mir n\u00e4mlich gar nicht aufgefallen, dass sich die Formulierung direkt an die Eltern \u2013 und damit wie immer vor allem an die M\u00fctter \u2013 richtet. Die sind mit dieser Erziehungsaufgabe jedoch ma\u00dflos \u00fcberfordert. \u201eDie Sozialisation von Jungen ist allgegenw\u00e4rtig, \u00fcberw\u00e4ltigend stark, manipulativ, emotional grausam und wirkungsvoll. Die M\u00f6glichkeit, anders zu sein, sich dem System zu entziehen, ein Schlupfloch zu finden, gibt es nicht\u201c, schreibt Mareike Fallwickl in \u201e<em>Liebe Jorinde<\/em> oder <em>Warum wir einen neuen Feminismus des Miteinanders brauchen<\/em>.\u201c \u00a0Das klingt nach Fatalismus, aber wer Kinder hat und sie gendersensibel erziehen will, kennt dieses Ohnmachtsgef\u00fchl angesichts einer Welt, in denen Jungs der rosa Pullover von den Peers schon im Kindergarten wieder ausgetrieben wird und rigide Geschlechterbilder gerade auch bei jungen M\u00e4nnern aktuell wieder enormen Aufwind haben. Ja, es gibt sie, die \u00f6ffentlich knuddelnden und empathisch miteinander sprechenden Dudes mit Nagellack, und sie machen mir viel Hoffnung. Aber es gibt auch eine rasante Retraditionalisierung von M\u00e4nnlichkeit, die mir nicht nur als Mutter gro\u00dfe Angst macht. Sie bringt pumpende Teens hervor, die sich ohne Muskeln schwach f\u00fchlen, und sie f\u00fchrt dazu, dass es inzwischen in fast jeder Schulklasse Fans von Andrew Tate gibt. Die Definition dessen, was Raewyn Connell\u00a0 <em>hegemoniale M\u00e4nnlichkeit<\/em>\u00a0genannt hat, verengt sich aufgrund des globalen politischen Backlash gegenw\u00e4rtig wieder zu einer Karikatur des heterosexuellen Mackers. Angesichts dieser bedrohlichen Entwicklung und den fatalen Folgen, die sie hat, darf bitte nicht nur auf den individuellen Widerstand einzelner Eltern gesetzt werden.<br \/>\n\u201eSchmink dir doch bitte den Sch\u00f6nheitsterror ab!\u201c, kann ich meiner Tochter sagen, und meinem Sohn: \u201eTrau dich, unm\u00e4nnlich und uncool zu sein!\u201c. Ich kann sie zur gleichen Mithilfe im Haushalt einteilen, mit meinem Sohn von klein auf st\u00e4ndig \u00fcber seine Gef\u00fchle und altersad\u00e4quat \u00fcber patriarchale Verh\u00e4ltnisse sprechen, ihm die Haare lang wachsen lassen und ihn zum Puppenspiel animieren, handverlesene feministische B\u00fccher und Filme f\u00fcr beide kuratieren, versuchen, ihnen zuhause nichts vorzuleben, das sie nicht nachmachen sollen (ha, ha \u2026) \u2013 doch \u00a0all das f\u00fchlt sich an wie ein Kampf gegen Windm\u00fchlen, sollen die Kinder irgendwann vor die T\u00fcre oder gar ins Internet gehen. Und dieser Kampf \u00fcberfordert nicht nur die Eltern, sondern auch die Kinder, die \u00fcber die sozialen Medien 24\/7 v\u00f6llig andere Anrufungen bekommen. Und er \u00fcberfordert Eltern nicht zuletzt auch emotional: In \u201eS\u00f6hne gro\u00dfziehen als Feministin\u201c schreibt Shila Behjat: \u201eIch m\u00f6chte meine S\u00f6hne besch\u00fctzen. Und zwar unter anderem auch vor meinen eigenen Verallgemeinerungen: davor etwa, dass ich sie so sehr als S\u00f6hne, und damit als M\u00e4nner, wahrnehme und nicht einfach als Kinder.\u201c In diesem \u201eStreitgespr\u00e4ch mit mir selbst\u201c, wie Behjat ihr Buch im Untertitel nennt, geht es sehr viel um die Angst, den eigenen Sohn vorzuverurteilen, jede kindliche Aggression als Anzeichen maskuliner Grenz\u00fcberschreitung zu sanktionieren und den vermeintlichen Mansplainer schon im f\u00fcnfj\u00e4hrigen Geschichtenerz\u00e4hler abzuw\u00fcrgen. Eltern, und wieder: vor allem M\u00fctter \u2013 d\u00fcrfen mit dieser Herkulesaufgabe nicht alleine gelassen werden. \u00a0InAbwandlung des viel zitierten ganzen Dorfes, das es braucht, um Kinder gro\u00dfzuziehen, l\u00e4sst sich n\u00e4mlich sagen: Es braucht die ganze Welt, um sie zu neuen S\u00f6hnen zu erziehen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Lea Susemichel Don\u2019t protect your daughters, educate your sons. 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